Erste und zweite Auflage bereits vergriffen – Dritte Auflage jetzt erschienen!

Die Inflation kommt! - LeseprobeMünchen – Die dritte Auflage des mittlerweile in die Bestellerlisten eingestiegenen Buches “Die Inflation kommt! Die besten Strategien, sich davor zu schützen” ist nun an den Buchhandel ausgeliefert.

Zusätzlich zum Vorwort von Dr. Jens Ehrhardt, dem größten deutschen unabhängigen Vermögensverwalter, jetzt außerdem mit einem Nachwort von Françoise Kostolany, der Witwe des 1999 verstorbenen Börsenaltmeisters André Kostolany.

In der am 16. Dezember erschienenen Erstauflage prognostiziert Autor Stefan Riße bereits exakt die auf die Euroländer Griechenland, Italien, Portugal und Spanien zukommende Problematik, die aktuell die Finanzmärkte in Atem hält. “Inflation wird am Ende der einzige Weg sein, Griechenland, Portugal und alle anderen hoch verschuldeten Länder in der Welt von ihren Schulden zu befreien”, ist sich Riße sicher.

Erste und zweite Auflage bereits vergriffen - Dritte Auflage jetzt erschienen!In seinem Buch führt er den stichhaltigen Beweis für diese erschreckende Prognose, auf die sich jeder über kurz oder lang einstellen muss. Darüber hinaus gibt er dem kleinen und großen Anleger handfeste Tipps, wie er sein Erspartes retten kann. Denn seiner Ansicht nach gibt es in diesem sonst so bedrückenden Zukunftsszenario durchaus die Möglichkeit, von der Inflation zu profitieren. “Wer bereit ist, sein Anlageverhalten zu ändern und sich um sein Vermögen zu kümmern, kann weiterhin ohne Angst in die Zukunft blicken”, so der Anlageprofi.

Über den Autor:

Stefan Riße, Jahrgang 1968, ist seit über zehn Jahren als Finanzjournalist tätig. Dabei arbeitete er für Magazine wie Focus, Forbes und Wirtschaftswoche und war ständiger Kolumnist des Anlegermagazins »Die Telebörse«. Als Freund des Börsenaltmeisters André Kostolany verfasste er zusammen mit ihm Bücher und ist auch selbst als erfolgreicher Autor in Erscheinung getreten.

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FinanzBuch Verlag
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Leseprobe:

Die Inflation kommt!
Die besten Strategien, sich davor zu schützen

1. Der lange Weg in die unausweichliche Krise

14. September 2008: Man trifft sich sonntags, denn die Zeit drängt. Bis am Montag die Börsen eröffnen, muss eine Lösung gefunden sein. Ein Rettungskonzept für die akut von der Pleite bedrohte Investmentbank Lehman Brothers. Es sieht nicht gut aus: Lehman, eine der fünf mächtigsten Banken der Vereinigten Staaten, hat sich mit »faulen« Kreditverbriefungen verspekuliert. Ihr fehlen Milliarden, um wieder auf die Beine zu kommen. Milliarden, die keiner zahlen will. Schon zuvor hatte Timothy Geithner, der New Yorker Vertreter der US-Notenbank Federal Reserve, unmissverständlich klargestellt: »Es gibt keinen politischen Willen, Lehman mit Staatsmitteln zu retten. Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie etwas tun müssen.« Sie – das sind 30 Bankenvertreter, die heute ein letztes Mal in der New Yorker Zentrale der Federal Reserve zusammengekommen sind. Ihnen dämmert allmählich, dass sich Finanzminister Hank Paulson, Notenbankchef Ben Bernanke und sein New Yorker Vertreter Timothy Geithner nicht umstimmen lassen.

Tatsächlich bleiben Regierung und Notenbank bei ihrem rigorosen Kurs: Der Staat müsse sich aus der Bankenmisere heraushalten. Weder Staatsgelder noch Staatsgarantien ständen zur Lehman-Rettung zur Verfügung. Zu viel Geld sei bereits in die Rettung anderer maroder Kreditinstitute geflossen, etwa in Bear Stearns, Fanny Mae und Freddie Mac. Wo käme man denn hin, wenn das so weitergehe? Am Ende erwarte jede Bank, die sich mit riskanten Immobilienanleihen verzockt habe, der Staat würde mit Steuergeldern für sie in die Bresche springen. Es kommt also nur noch eine bankeninterne Lösung infrage. Doch wer soll die Mehrheit bei Lehman Brothers übernehmen?

Die Bank of America, gestern noch als heißer Favorit für einen Einstieg bei Lehman gehandelt, hat bereits abgewinkt. Ohne Staatsgarantien sei die Gefahr zu groß, zusammen mit der hoch verschuldeten Investmentbank in die Tiefe gerissen zu werden. An diesem Tag ist nur noch die britische Großbank Barclays im Rennen. Die aber will zuvor eine Hauptversammlung der Lehman-Aktionäre abhalten – eine Illusion angesichts der drängenden Zeit. Zudem scheitert auch Barclays mit ihrem Bemühen, das Risiko auf mehrere Schultern zu verteilen. Die Briten erhalten eine glatte Abfuhr von den anwesenden Regierungs- und Notenbankvertretern. Staatsgarantien von der US-Regierung dürfen auch sie nicht erwarten; was die Barclays-Manager dazu veranlasst, den Sitzungssaal gegen 14 Uhr unvermittelt zu verlassen. Zunächst wird gemunkelt, das sei lediglich ein taktisches Manöver, um die eigene Verhandlungsposition zu stärken. Als die Herren aber nach einiger Zeit immer noch nicht auf ihre Plätze zurückgekehrt sind, ist für alle Beteiligten offensichtlich: Die letzte Chance auf Rettung hat sich soeben in Luft aufgelöst.

Es gibt keine Staatsmilliarden, es gibt keine Staatsgarantien – und es soll auch keine »Bad Bank« geben, also keine Ausgliederung und Bündelung der Wertpapierrisiken, für die dann der Staat bürgt oder die anwesenden Großbanken gemeinsam einstehen. Es ist auch kein potenzieller Investor mehr da, der die immensen Risiken ohne Garantien freiwillig auf sich nehmen würde. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Weil niemand für Lehmans »giftigen« Wertpapiermüll garantiert, ist die Rettung der einst so mächtigen US-Investmentbank in unerreichbare Ferne gerückt. Durchgesetzt haben sich – zunächst – die Hardliner, die eine strikte Trennung von Politik und Wirtschaft fordern und jede Einmischung des Staates in die freie Wirtschaft ablehnen. Von da an wird Wirtschaftsgeschichte neu geschrieben.

»Too big to fail« – zu groß, um zu scheitern –, dieser Satz galt früher, aber heute gilt er nicht mehr. Sicherlich, die Begründung klingt plausibel: Die Bedeutsamkeit eines einzelnen Finanzunternehmens dürfe kein Argument sein, um Banken, die in ihrer Gier nach schnellem Reichtum viel zu viel riskiert haben, wieder und wieder mit Staatsmitteln unter die Arme zu greifen. Die Finanzwirtschaft müsse sich jetzt selbst helfen, so die einhellige Meinung von Regierung und Notenbank.

Entsetzen macht sich unter den Anwesenden breit. Jede der hier vertretenen Banken ist eng mit Lehman verwoben. Die Bankenchefs wissen, im Fall einer Lehman-Pleite werden auch die Verluste in ihren eigenen Häusern immens sein. Gegen 19 Uhr sickert die Nachricht durch: Lehman Brothers muss morgen Insolvenz anmelden.

15. September 2008: Die Nachricht von der Lehman-Pleite sendet Schockwellen über den gesamten Globus. Weltweit stürzen die Kurse, überall werden hektisch Aktien verkauft. Am schlimmsten trifft es – logisch! – die Finanzunternehmen. Zunächst den Pleitekandidaten Lehman, aber auch andere in Bedrängnis geratene Großbanken. In Frankfurt brechen die Aktien von Lehman um über 88 Prozent ein. 28 Eurocent werden jetzt noch gezahlt für eine Bank, die Anfang 2007 noch bei über 60 Euro notierte. Die Bank of America verzeichnet Verluste von fast 12 Prozent. Kein Wunder, denn sie hat sich die ebenfalls mit Milliardenverlusten belastete Investmentbank Merrill Lynch einverleibt – nicht ganz freiwillig, sondern auf Druck des Finanzministeriums und der Notenbank, wie später gemunkelt wird. Notenbankchef Ben Bernanke muss sich später noch gegen solche Vorwürfe verteidigen.

»Alles, was mit Finanzgeschäften zu tun hat, ist hochgiftig« – so könnte die Devise dieses Handelstags lauten. Aktien von Banken, Versicherungen und Rückversicherern werden unterschiedslos abgestoßen, als ständen sie alle direkt vor dem Bankrott. Das geschieht nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. 7,8 Prozent verliert der europäische Bankenindex an diesem einen Tag. In Deutschland führt die Commerzbank mit 11 Prozent die Liste der Verlierer an, gefolgt von der Deutschen Bank mit fast 10 Prozent. Die Aktien der Schweizer Großbank UBS sacken um fast 15 Prozent ab. Um 23 Prozent stürzt der Kurs der britischen Hypothekenbank HBOS.

Auch die Versicherer bleiben nicht verschont. Wie sollten sie auch? Wird es doch immer offensichtlicher, dass mit der American International Group (AIG) eine der größten und renommiertesten Versicherungen ebenfalls durch gefährliche Subprime-Spekulationen ins Straucheln geraten ist. AIG hat massiven Bedarf an staatlichen Mitteln, heißt es. Und so erfasst die Verkaufswelle auch die Versicherungskonzerne dies- und jenseits des Atlantiks.

Aber damit nicht genug. Es setzt eine Flucht aus Aktien aller Branchen ein. Bloß raus aus Aktien! »Sichere« Staatsanleihen sind gefragt, sonst nichts. Im Moment fragt sich noch keiner, wie sicher etwa US-Staatsanleihen wirklich sind. Erst später, als die Staaten massive Schulden machen, um die Folgen der Finanzkrise zu mildern, soll diese Frage die Gemüter der Investoren bewegen.

Bleiben wir aber zunächst noch bei diesem denkwürdigen 15. September 2008: Der Dow Jones verliert allein an diesem Tag über 4 Prozent. Den anderen Indizes rund um den Erdball ergeht es kaum besser. Dabei markiert dieser Kurssturz nur den Anfang einer rasanten Talfahrt, die zugleich den Beginn einer tiefen Rezession darstellt. Sechs Monate später, im März 2009, haben Dow Jones, Nikkei, EuroStoxx und DAX allesamt mehr als 40 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

Wer bisher der Auffassung war, die Finanzkrise würde sich allein an den Finanzmärkten abspielen und wäre komplett vom sonstigen Wirtschaftsgeschehen abgekoppelt, sieht sich getäuscht. Innerhalb weniger Wochen ist auch in der Realwirtschaft das angekommen, was einst als US-Immobilienkrise so vermeintlich harmlos begann. Hätten die verantwortlichen US-Regierungsvertreter Lehman Brothers gerettet, wenn sie gewusst hätten, welches Erdbeben ihre Entscheidung gegen Staatshilfen und staatliche Garantien auslösen würde? Das ist anzunehmen, denn im Nachhinein kamen auch die USA nicht um massive Staatshilfen herum. Selbst Hardliner mussten schließlich – widerwillig – Milliarden aus dem Staatshaushalt zur Rettung und Verstaatlichung ganzer Finanzkonzerne zustimmen.

Schon zwei Tage später, am 17. September 2008, sollten beispielsweise 87 Milliarden Dollar in ein Rettungspaket für den angeschlagenen Versicherungskonzern AIG fließen. Am Ende werden sich die Hilfen sogar auf 182 Milliarden Dollar belaufen. AIG hatte sich massiv mit Kreditversicherungen verspekuliert. Am Tropf von AIG und seinen Versicherungen hing ein Großteil der Finanzbranche weltweit. Wäre dieses Unternehmen zahlungsunfähig, gäbe es keine Absicherung mehr für Kreditausfälle weltweit. Dann wäre die gesamte globale Wirtschaft ins Bodenlose abgestürzt.

Die Lehman-Pleite aber war der Initialfunke, der das Pulverfass explodieren ließ und aus der Immobilienkrise in den USA die größte Weltwirtschaftskrise seit 80 Jahren machte; das Ereignis, welches das Ende einer Epoche markiert und eine neue einläutet. In der Wirtschaftskrise der 30er-Jahre war dies der heute noch berühmte schwarze Freitag am 29. Oktober 1929 an der Wall Street, der übrigens ein Donnerstag war. Da die Nachricht vom Kurssturz aber erst am Freitag in Europa ankam, war fortan vom schwarzen Freitag die Rede.
Hier wird der epochale Unterschied zwischen der Welt von damals und heute deutlich, in der in der gleichen Millisekunde alle Nachrichten dieser Welt überall auf dem Globus verfügbar sind. In anderer Hinsicht aber weisen die Ursprünge der Krise von damals mit der heutigen erschreckende Parallelen auf. Und in noch einer Hinsicht wird die Ähnlichkeit deutlich: Wann immer es damals um die wirtschaftlichen Verhältnisse ging – egal ob allgemein bedeutende oder die ganz eigenen privaten –, hieß es immer nur: »Das war vor oder das war nach ’29.«

Heute wird jede Wirtschaftsstatistik und jedes Unternehmensergebnis an der Lehman-Pleite abgearbeitet. »Bester Wert seit Lehman« oder »Wieder das Niveau vor Lehman«, so lauten täglich die Kommentare, die deutlich machen, dass wir uns nun in der Post-Lehman-Ära befinden. Dem voraus aber ging eine Zeit unvergleichlicher Prosperität, die jedoch, je weiter sie voranschritt, den Keim der Krise bereits in sich trug.

Vor der Lehman-Pleite: sonnige Zeiten mit vereinzelten Gewittern

Anfang der 80er-Jahre begann für die Weltwirtschaft im Großen und Ganzen eine sonnige Zeit. Die Ölkrise der 70er-Jahre war ausgestanden. Die damals noch herrschende Inflation war zu Ende. Der amerikanische Notenbankchef Paul Volcker hatte es unter Präsident Ronald Reagan geschafft, sie abzuwürgen, indem er die Leitzinsen auf 19 Prozent heraufsetzte. Die sinkenden Ölpreise kamen ihm bei der Beendigung der Teuerung zu Hilfe. Der Dollar gewann wieder an Kaufkraft, die Menschen gewannen wieder Vertrauen in die US-amerikanische Währung. Das kurbelte den Konsum und das Wirtschaftswachstum weltweit an. Allenthalben herrschte eitel Sonnenschein. Amerika hatte das Trauma des Vietnamkriegs hinter sich gelassen.

So wuchsen in den Jahren 1982 bis 2007 die amerikanische und mit ihr die weltweite Wirtschaft und der Wohlstand in den Industrie- und Schwellenländern über einen so langen Zeitraum wie noch nie zuvor in der Geschichte. Zwar gab es kurze Rezessionen und auch teils heftige Börsencrashs, doch zu einer wirklichen Krise kam es nie. Es schien so, als sei die Weltwirtschaft in ein neues Zeitalter eingetreten und die Politik hätte nun das Rezept, um schlimmere Rezessionen zu vermeiden. Die erste Bewährungsprobe hatte sie im Jahr 1987 zu bestehen.

Der schwarze Montag von 1987

»Das ist das Ende der Welt«, sagte ein Händler am Ende der Börsensitzung am 19. Oktober 1987, fassungslos darüber, was sich in den Stunden zuvor vor seinen Augen abgespielt hatte. Um unglaubliche 22,3 Prozent war der Dow-Jones-Index allein an diesem Tag gefallen. Als der »schwarze Montag« sollte dieser Tag in die Börsengeschichte eingehen. Einen so großen Tagesverlust hatte es nicht einmal am besagten schwarzen Freitag, dem 29. Oktober 1929 gegeben. An diesem einzigen Tag brach der Dow Jones Industrial Average um über 500 Punkte ein. Rund 1 Billion Dollar wurden vernichtet – an diesem Börsentag und an den vier Handelstagen, die ihm vorausgegangen waren.

Ich erinnere mich noch sehr deutlich daran, denn es war der erste Börsencrash, den ich persönlich erlebte. Im Alter von 17 Jahren hatte ich angefangen, an der Börse zu spekulieren, und war innerhalb von weniger als einem Jahr von Aktien auf Optionen umgestiegen, weil bei den geringen Einsätzen, die ich tätigen konnte, nur hier das »schnelle Geld« zu machen war. Am 19. Oktober 1987 war das Geld dann aber noch schneller weg und ich erlebte meinen ersten Totalverlust.

Was war geschehen?

Dem Crash war zunächst ein fulminanter Anstieg vorausgegangen. Seit 1985 lief die US-Wirtschaft hervorragend und die Börsen hatten dies weit früher vorweggenommen. Die Zinssenkungen in den USA ab 1981 von 14 auf 5,5 Prozent im Jahr 1986 hatten an der Börse unglaubliche Kräfte freigesetzt. Die tiefen Zinsen lösten einen enormen Anstieg in der Kreditvergabe aus und sorgten damit für eine starke Ausdehnung der Geldmenge. Und da Geld nun mal das Lebenselixier der Börse ist, wie das Benzin für einen Motor, stieg der Dow Jones von 1982 bis 1987 von rund 800 auf 2.722 Punkte und damit um 240 Prozent. Sein Anstieg fiel allerdings höher aus als der Zuwachs der Unternehmensgewinne, zudem drohte die Wirtschaft 1987 erstmals zu überhitzen. Um Inflation zu vermeiden, erhöhte die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen. Die Zinsen lang laufender Anleihen stiegen wieder in den zweistelligen Bereich und machten somit den Aktien zunehmend Konkurrenz. Außerdem war der Dollar in der Hochzinsphase, als die Inflation abgewürgt wurde, bis auf 3,47 D-Mark gestiegen (umgerechnet entspricht dies auf Eurobasis einem Kurs von 0,56 US-Dollar für einen Euro), was zu einem enormen Handelsbilanzdefizit der USA geführt hatte.

Das löste Spannungen zwischen den USA und den damaligen Hauptexportländern Deutschland und Japan aus. Zwar hatte der Dollar gegenüber D-Mark und Yen bereits wieder massiv auf unter 1,80 D-Mark Mitte 1987 abgewertet, was lange Zeit auch im Konsens der damals drei bedeutendsten Wirtschaftsmächte geschah. Die Amerikaner erwarteten jedoch von Japan und Deutschland, dass sie ihre Binnenkonjunktur durch Zinssenkungen stärker ankurbeln, sodass Amerika im Gegenzug auch mehr Waren an die beiden Handelspartner hätte verkaufen können. Deutschland und Japan aber sträubten sich und so drohte der damalige US-Finanzminister James Baker, er werde den Dollar noch weiter fallen lassen, wenn Japan und Deutschland den Forderungen nach einem Ankurbeln des Konsums in ihren Ländern nicht nachkämen. Die Nerven der Börsianer waren ohnehin schon gespannt, denn von seinem Hoch von 2.722 Punkten war der Dow Jones Index bereits auf 2.247 Punkte gefallen. Dieser Satz des US-Finanzministers war dann der Stich in den Ballon, der die Blase zum Platzen brachte.

Was die Abwärtsbewegung so massiv beschleunigte, war eine in den Jahren zuvor immer massiver angewachsene Spekulation am Chicagoer Terminmarkt in Terminkontrakten auf den 500 Werte umfassenden US-Aktienindex Standard & Poor’s 500. Die Umsätze, die hier gedreht wurden, betrugen ein Vielfaches der Umsätze an der New York Stock Exchange in Aktien. Das Gefährliche daran war, dass mit nur rund 5 Prozent Eigenkapital spekuliert werden konnte. Die Engagements waren enorm und am 19. Oktober kam es dann zu einer Flut von Zwangsliquidationen. Dabei bestand ein größerer Anteil von »Marktteilnehmern« ganz einfach aus Computern. Das war damals ebenfalls neu: rechnergesteuerte Handelssysteme, die mit Stop-Loss-Kursen gespeist worden waren, also mit Limits, ab deren Erreichen oder Unterschreiten die Aktienbestände automatisch verkauft werden sollten. Weil jeder Verkauf die Kurse erneut auf Talfahrt schickte, wurden dadurch stets neue Stop-Loss-Marken ausgelöst, was abermals zu Verkäufen führte.

Trendverstärkend wirkte außerdem, dass nicht nur Positionen auf steigende Kurse aufgelöst, sondern im Gegenzug bestehende Positionen in Aktien über diesen Weg abgesichert wurden. Eine Abwärtsspirale sondergleichen setzte dies in Gang, die, als sie ihr Ende fand, bloßes Entsetzen unter den Börsianern weltweit hinterließ, die bis dahin geglaubt hatten, dass so etwas nicht möglich sei.

Seit jenem »schwarzen Montag« 1987 wird der Handel an den US-amerikanischen Börsen ausgesetzt, wenn die Verluste an einem Tag mehr als 10 Prozent betragen. Das soll die Marktteilnehmer beruhigen und ihnen Zeit geben, sich rational zu entscheiden. Die Spekulation in Terminkontrakten ist seitdem allerdings nicht zurückgegangen, sondern eher gestiegen. Doch bisher sieht es so aus, dass der Schock von 1987 eine gewisse heilende Wirkung hatte, indem er ein Bewusstsein für die Risiken dieser Spekulationsform schuf. Viel wichtiger als die Gründe für den Crash 1987 ist aber die Wirkung, die er entfaltete: Jeder erwartete, dass das, was an der Börse geschehen war, auch voll auf die Realwirtschaft durchschlagen werde.

Entsprechend negativ waren im Oktober 1987 die Prognosen für Wirtschaft und Börse. Die nächste Depression à la ’29 wurde bereits heraufbeschworen. Doch schon dem Börsencrash von 1987 fehlten die Parallelen zu 1929. Schaulustige, die gehofft hatten, die Investmentbanker wie damals reihenweise aus dem Fenster springen zu sehen, wurden enttäuscht. Es sprang niemand. Der damals neue und noch vollkommen unbekannte Notenbankchef Alan Greenspan gab umgehend zu erkennen, welchen politischen Kurs er fahren würde. »Zur Not werde ich die Banken in Liquidität baden«, sagte er bereits einen Tag nach dem Crash. Das tat er dann auch.

Er antwortete mit einer sofortigen Leitzinssenkung. Er drehte die Zinsschraube von 7,25 auf 6,75 herunter und pumpte unglaubliche Geldsummen in den Markt. Sein Unterfangen führte zum gewünschten Erfolg – eine Rezession blieb aus. Zwar fiel der Dow Jones am 20. Oktober 1987 zunächst weiter auf 1.450 Punkte. Am Ende derselben Woche war er aber bereits wieder auf 1.951 Punkte geklettert. Nur 15 Monate später erreichte er sein ursprüngliches Niveau von 2.247 Punkten und am 24. August 1989 überwand er das alte Allzeithoch von 2.722 Punkten. Und das Wachstum sollte weitergehen. Es war, als hätte es nie einen Börsencrash gegeben. Die befürchtete Weltwirtschaftkrise blieb aus.

Die Asienkrise 1997/98

1997/98 kam es in Asien zu einer Krise. Verantwortlich dafür waren vor allem mit Fremdwährungskrediten schuldenfinanzierte Investitionen in riesigem Ausmaß. Betroffen waren vor allem die südostasiatischen Länder Südkorea, Thailand, Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Singapur. Japan, das seit Beginn der 90er-Jahre schon in einer Krise steckte, wurde durch diese Krise erst recht in eine schwere Rezession gezogen. In der Asienkrise zeigte sich aber bereits, wohin eine Politik des billigen und leicht verfügbaren Geldes führen kann. Die Jahre zuvor hatten Südostasien ein beispielloses Wachstum beschert. Um 5 bis 9 Prozent legten die Volkswirtschaften jährlich zu – kein Wunder, dass stets von den »Tigerstaaten« die Rede war. Billige Arbeitskräfte führten dazu, dass immer mehr europäische und japanische Firmen in Südostasien produzierten oder produzieren ließen, um ihre Lohnkosten zu senken. Die Tigerstaaten waren im Aufwind, ihr Wachstum wirkte robust und gesund. Trotzdem – oder gerade deswegen – entstand eine Spekulationsblase, die 1997/98 zerplatzte. Denn ein Großteil des Wachstums war kreditfinanziert.

Ohne jedes Maß hatten die Banken in Südostasien Kredite vergeben. Das Kreditvolumen zeigte ein noch rasanteres Wachstum als die Volkswirtschaften in Südostasien. Kreditanträge wurden bereitwillig genehmigt, auch deswegen, weil die Refinanzierung so einfach war. Die Banken liehen sich einfach Geld, und zwar größtenteils in Fremdwährung, aus anderen Ländern. Sie konnten sich dort billig mit ausländischem Geld eindecken. Die eigenen Währungen hatten sie fest an den Dollar gekoppelt, der Wechselkurs war also nicht frei, sondern starr. Beliebt waren – wie könnte es anders sein? – Schulden in Währungen mit niedrigem Leitzins, sprich Dollar, Yen und D-Mark.

Solche Gelder aus dem Ausland waren leicht verfügbar. Die Sache hatte nur einen Haken: Diese Fremdwährungskredite hatten oft kürzere Laufzeiten als die Kredite in eigener Währung, die man an die inländischen Kunden vergab. Über diesen Makel sah man als kreditgebende Bank aber großzügig hinweg.

Die Kreditnehmer nahmen das Angebot jedenfalls freudig an. Das geliehene Geld wollte investiert sein. Dafür schienen vor allem Aktien und Immobilien geeignet. Deren Preise erlebten einen beispiellosen Boom, was die Banken wiederum veranlasste, Aktien und Immobilien gerne als Sicherheiten für neue Kredite zu akzeptieren.

Produktinformation
* Gebundene Ausgabe: 250 Seiten
* Verlag: FinanzBuch Verlag (10. Dezember 2009)
* Sprache: Deutsch
* ISBN-10: 3898795047
* ISBN-13: 978-3898795043
* Größe und/oder Gewicht: 23,2 x 15,2 x 2,6 cm

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Eine Antwort zu “Die Inflation kommt! – Leseprobe”
  1. Lutz Spilker sagt:

    Die Inflation kommt! – Leseprobe http://is.gd/84Zlc

  2.  
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George Orwell (1903-1950), britischer Schriftsteller
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