Abmahnwelle – die SiebteMomentan herrscht ein wenig Unruhe, in der sonst eigentlich überschaubaren Online-Welt. Viele Unternehmen unternehmen etwas, wenn auch nicht immer zum Verständnis der Userschar. RTL versendet Schreiben, aus denen zwar keine Kostennote hervorgeht, den Webseitenbetreiber jedoch indirekt auffordert, seine Seite zu schließen, zumal sich dort nicht freigegebene Inhalte befinden. Die Fa. Apple geht einen Schritt weiter.

So liest man auf den Seiten von Macnotes.de folgenden Text:

Apple iPhone-Bilder: Abmahnung für den 3Gstore

Der 3Gstore, Anbieter simlockfreier iPhones und Macnotes-Werbepartner, wurde von Apple kostenpflichtig abgemahnt. Der Grund: auf den Seiten wurde Bildmaterial von Apple verwendet, um die angebotenen iPhones zu bewerben. Inhaber Kristof Loll sieht Apple an sich im Recht, versteht dennoch die Vorgehensweise nicht, mit der Apple-Werbung durch Dritte abgestraft wird. Und: wie sieht es überhaupt mit der Nutzung von Bildmaterial Apples durch Dritte, ob Shop, Blogger oder Webmaster nun aus?

Letzte Woche erreichte den Shop aus Kiel die Abmahnung von Apple. Beauftragt wurde die Kanzlei CMS Hasche Sigle, als Streitwert wurden 50.000 Euro angesetzt. Abmahngrund: Bildmaterial auf der Shopseite des 3Gstore stammen aus dem Bilderportfolio Apples, welches zur redaktionellen Nutzung freigegeben wurde – nicht jedoch für die kommerzielle Nutzung in einem Shop, auch wenn selbiger eben Apples Produkte anbietet und bewirbt. Obgleich man die Rechte Apples in Kiel nicht in Abrede stellen will, ist Betreiber Loll leicht konsterniert und kommentierte:

“Es ist frustrierend, wie man als kleiner Händler vom großen Apple behandelt wird: Wir machen mit unserem Shop Werbung für das Apple-Vorzeigeprodukt und Apple geht dagegen vor. Nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht eine sehr fragwürdige Vorgehensweise.“

Die man nun aber weitgehend gelassen hinnimmt – die Unterlassungserklärung wird abgegeben, die Kostennote der Apple-Anwälte beglichen. Die im 3Gstore angebotenen simlock-freien iPhones hat man inzwischen selber fotografieren lassen und das Bildmaterial fürs Netz aufgearbeitet. Nur: was bedeutet die Apple-Abmahnung Apples für andere Seiten?

Macnotes fragte bei Apple Deutschland nach, was die Abmahnung für andere Seiten bedeute, die in der einen oder anderen Form Gebrauch von Bildmaterial Apples machen. Antwort: es gelte in Bezug auf die iPhone-Bilder das Image Use Agreement, darüber hinaus die Guidelines zur Verwendung von Apple-Marken und Copyrights.

Die Verwendung der Pressebilder wird in diesen Dokumenten unter einigen Bedingungen freigestellt – weitergehend als in den Standard-Terms Of Use, die Apple auf jeder Seite einblendet. Zur redaktionellen Berichterstattung dürfen die Bilder verwendet werden. Veränderungen/Modifikationen sind untersagt, ebenso die Verwendung als Werbematerial.

Müssen jetzt weitere Blogs, Online-Portale und Shops mit Abmahnungen von Apple rechnen, wenn sie deren, zur „Berichterstattung“ freigegebenes Bildmaterial verwenden? Loll ist nun natürlich verunsichert: „Sicher kann man sich da nicht mehr sein, dass man keine rechtlichen Probleme bekommt“, so sein Kommentar. Taten folgten den Worten umgehend: wer sich auch nicht auf korrekt eingehaltene Apple-Guidelines verlassen mag, kann nun auf qualitativ hochwertiges Bildmaterial vom Apple iPhone zurückgreifen, das der Shop vom Fotografen Lukas Palik anfertigen ließ und unter eine Creative Commons-Lizenz stellte. Auch auf Flickr sind die iPhone-Bilder verfügbar.

Der Shopbetreiber dazu:

„Ab sofort verwenden wir diese Fotos für unseren Shop und mögliche Werbekampagnen. Gleichzeitig stellen wir die Bilder unter Creative Commons Lizenz in unserem Blog www.3gstore.de allen Bloggern und Shopbetreibern zur Verfügung. Damit sind sie auf der rechtlich sicheren Seite.“

Neben weboptimierten iPhone-Bildern sind auch die TIFF-Sourcen in hoher Auflösung unter der CC-Namensnennungs-Lizenz zur Verfügung gestellt worden, letztere gepackt ais Zip-Files.

Wird das „Netz“ nun zum „Erwachsensein“ erzogen, oder stehen tatsächlich bald die privaten Portale vor dem Aus?

Quelle: HIER

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Eine Antwort zu “Abmahnwelle – die Siebte”
  1. Lutz Spilker sagt:

    Update:

    “dsds-news.de” gewinnt gegen RTL vor dem Landgericht Berlin
    RTL steht kein Anspruch auf Übertragung der Domain “dsds-news.de” zu

    10.06.2009 | 10:53 Uhr

    Berlin (ots) – In dem seit mehreren Monaten bestehenden Streit zwischen dem Betreiber der Internetseite “dsds-news.de”, Philipp Klöckner und der RTL Television GmbH (kurz RTL) hatte RTL Philipp Klöckner u.a. aufgefordert, sämtliche Internetdomains, die auf ihn registriert sind oder für die er als Admin-C fungiert und die eine phonetische oder sonstige Ähnlichkeit zu der Marke “DSDS” haben bzw. sich an diese anlehnen, zu übertragen. Das Landgericht Berlin hat diesen Anspruch mit Urteil vom 05.06.2009 zurückgewiesen. Rechtsanwalt Alexander Graf von Kalckreuth, Kalckreuth Rechtsanwälte, der Philipp Klöckner anwaltlich vertritt, hält dazu fest:

    ”RTL hat offenbar die Aussichtslosigkeit der Forderung auf Übertragung der Domain “dsds-news.de” erkannt und keine Argumentation dazu vorgetragen. Konsequent hat das Landgericht Berlin entschieden, dass RTL der gegen Philipp Klöckner geltend gemachte Übertragungsanspruch nicht zusteht.”

    Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

    Philipp Klöckner betreibt im Internet seit mehreren Jahren unter der Internet-Adresse “dsds-news.de” ein Fanportal, welches sich ausschließlich mit der TV-Sendung “Deutschland sucht den Superstar” (DSDS) auf dem TV-Sender “RTL” auseinandersetzt. Die Internetseite ist eine sehr beliebte inoffizielle News- und Fanseite dieser TV-Sendung. Das Fanportal bietet eine Vielzahl von Nachrichten, die von den Besuchern der Internetseite kommentiert werden können. Der Meinungsbildungs- und Kommunikationsprozess der Internetnutzer und Fans zum Thema “DSDS” wird dadurch deutlich gefördert.

    Die in Berlin ansässige Sozietät Kalckreuth Rechtsanwälte ist spezialisiert auf die Bereiche Media, Intellectual Property und Information Technology und berät Mandanten im In- und Ausland.

    Pressekontakt:

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    www.kalckreuth.de

  2.  
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„Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht,
anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.“

George Orwell (1903-1950), britischer Schriftsteller

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