Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei. Darum gibt es, Dank fortschrittlicher Technik auch zwei. Auch nicht gut ist, wenn der Mensch zu denken beginnt und einige Defizite, wie auch Missetaten entdeckt. Und damit das so bleibt, wird der Mensch immer hübsch beschäftigt. Das lenkt von vielem ab und er, also der Mensch, kommt nicht auf seltsame Gedanken. Diese Art der besonderen Beschäftigung soll der Mensch nicht merken. Das ist zwar nicht einfach aber machbar.

Irgendwann saßen ein paar fürchterlich wichtige Politiker zusammen am Stammtisch und unterhielten sich. Worüber? Über die Menschen, die in dem Lande wohnten, welches sie regierten. Dabei stellten sie fest, dass diese Menschen immer neugieriger wurden und etliche Missstände aufzudecken Willens waren, welche von ihnen, also den Politikern, verbockt worden waren. Gefahr drohte. Schließlich ist man für 4 Jahre im Amt und das soll auch so bleiben.

Vieles kann einem den Tag versülzen. Da wäre zunächst diese leidige Meinungsfreiheit und was noch so im Artikel 5 des Grundgesetzes aufgelistet steht. Wo kommen wir denn da hin, wenn jeder sagen, schreiben und senden kann, was er will?! Das ist Hetze! Aber verbieten kann man es in einem freien Lande auch niemandem… so konsequent. Es muss andere Möglichkeiten geben, den Bürger zu beschäftigen, ihm gleichsam das Gefühl vermitteln etwas Gutes getan zu haben und ihm somit zu schmeicheln, auch wenn es mit Kosten verbunden sein wird.

Müll sortieren macht SpaßLange saßen die Politiker zusammen und Ratlosigkeit machte die Runde. Was könnte man ausbrühten, was fiele nicht sofort als „Sackgasse“ auf und womit könnte man den Bürger dauerhaft beschäftigen, um ihn vom Kritisieren politischer Fehlentscheidungen fernzuhalten? Plötzlich rief einer der Politiker „Ich hab’s!“ Erstaunte und gleichsam neugierig fragende Gesichter entstanden.

„Wir lassen den Bürger Müll sortieren!“ Diese Äußerung stieß nicht direkt auf Kopfnicken und von Applaus konnte gar keine Rede sein. Schließlich stellte sich jeder vor, er selbst stünde mit Gummistiefeln inmitten von Müll und müsste diesen sortieren. Und nach welchen Kriterien überhaupt?! Aber der Ideeninhaber ließ sich nicht beirren und setzte wieder an: „Jeder Bürger, bzw. jedes Wohnhaus bekommt eine Batterie verschiedenfarbiger Mülltonnen zugewiesen, deren Kosten vom Bürger zu tragen sind. Auch die Kosten des Leerens dieser Behältnisse wird – wie gehabt – vom Bürger getragen. Das schafft Fülle im Säckel!

Prospekte werden verteilt, aus denen klipp und klar hervorgeht, welcher Müll in welche Tonne zu entsorgen sein wird und bei etwaigen Verstößen droht eine Geldstrafe. Ist das nicht phantastisch?“ Irgendwie fehlte noch eine Kleinigkeit, denn die mürrischen Gesichter der anderen wollten dieser Idee immer noch nicht zustimmen. „Der Bürger wird Spaß daran finden. Es wird ihm ein befriedigendes Gefühl, eine Menge für die Umwelt getan zu haben vermittelt und er wird sich nichts beim Müllsortieren denken; nichts Negatives jedenfalls!“

Jawohl. Das gute Gefühl war es, was da als Salz in der Suppe fehlte. Nun besaß die Angelegenheit ein erkennbares Motiv und alle Anwesenden klatschten vor Begeisterung in die Hände. Ein dreifach Hoch auf diese Runde, welche die farbigen Tonnen vor die Häuser zu stellen vermochte, den Bürger zu Kasse bat und ihm dennoch ein supergeiles Gefühl vermittelte.

Die Mehrkosten der mit einem „Grünen Punkt“ versehenen Lebensmittel werden schon gar nicht mehr zur Kenntnis genommen und dass der Abhol-LKW alle Container in eine Öffnung entleert, dennoch man seine Flaschen fein säuberlich nach Farbe trennte und in die bereitgestellten Entsorgungseinrichtungen, welche sicher nicht zum optischen Tuning der Straße dienen verbrachte, interessiert mittlerweile auch niemanden mehr.

Es hat sich automatisiert und jeder nimmt Teil, an diesem guten Gefühl, etwas für die Umwelt getan zu haben. Dass sich diese Mülltrennung final betrachtet nicht bewährte und mehr Kosten produziert als eingespart werden, sei nur am Rande erwähnt. Es will niemand wissen. Der Bürger ist beschäftigt, seine (Zusatz-) Belastungen immens, aber er tut etwas. Was? Er denkt nicht mehr nach, weil er beschäftigt ist und Müll sortiert… Und genau das war die Absicht.

Popularity: 1%

Themenbezogene Artikel:

Schlagwörter:, , , , , , , , , , , , , ,
2 Antworten zu “Täuschen, tarnen und verpissen”
  1. Tobias sagt:

    So ist es eben bei uns, solange sich Leute freiwillig in eine Schlange stellen, nur weil alle drin stehen, werden eben Andere auch beim Mülltrennen ein gutes Gefühl haben. Und für die Gelbe-Tonne den Joghurtbecher ausspülen, während in Afrika das Wasser zum Trinken fehlt.

  2. Lutz Spilker sagt:

    Hallo Tobias,

    übelsten Gerüchten nach zu urteilen, geben manche Zeitgenossen abgetragene oder nicht mehr zeitgemäße Mode zunächst in die Reinigung. Danach deponiert man es im Alt-Kleider-Container. Trifft ja keine Armen…

    Weitere Perspektiven liest man z.B. hier: http://www.blogtotal.de/social-networking/wer-kennt-wen

  3.  
Hinterlasse einen Kommentar




„Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann das Recht,
anderen Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.“

George Orwell (1903-1950), britischer Schriftsteller

blogoscoop