Äpfel und Birnen
Die Webfirma X berechnet für die Erstellung einer Internetseite (beispielsweise) € 40,- Stundenlohn, wohingegen die Firma Y für die gleiche Arbeit € 62,50 in Rechnung stellt. Da geht man doch gleich zum Billigeren und spart sich pro Stunde glatte € 22,50. Nicht ganz.
Firma Y benötigt nur eine Stunde für die Arbeit, die Firma X in 2 Stunden abliefert. Der Kunde sieht den zunächst günstigeren Preis und vergisst oftmals den Multiplikator. Ohne pauschalieren zu wollen, wissen aber manche Webmaster ganz genau, warum sie keinen höheren Stundensatz verlangen dürfen.
Die Qualität einer Internetseite erkennt man meist schon am ersten Erscheinungsbild und der Gesamtdarstellung; also bitte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.
Können und dürfen
Es wird nicht mehr als Weisheit aufgenommen, wenn behauptert wird, dass jeder und ohne Vorkenntnisse eine Webseite erstellen kann. Die betreffenden Softwarehersteller suggerieren es ohne Unterlass. Damit muss man leben und es will auch keiner ändern.
Es wird auch keiner abstreiten wollen, dass jeder ein Auto konstruieren kann. Nur – darf er damit nicht auf öffentlichen Straßen fahren, solange der TÜV es nicht abgesegnet hat. Aha. Täglich werden jedoch weitere Internetseiten ins Netz gestellt, die – wenn sie ein Auto wären – am Haken des Abschleppdienstes landeten, bevor man feststellt, dass sie verkehrsuntauglich sind. Wer wacht denn hier über Punkt und Komma? Gottlob (noch) keiner. Irgendwie hat sich der Mensch den virtuellen Freiraum Internet als letzte Bastion des Anarchismus verdient. Oder…?
Brauchen wir nicht, machen wir selbst
Unsere Seiten sehen gut aus! Bloß keine Hilfe annehmen. Warum? Kostet Geld…! Aha. PKW’s werden von zertifizierten Werkstätten mit fachlichem Nachweis repariert und inspiziert. Da sehen wir den Chef nicht mit dem Blaumann unter der Firmenkarosse liegen. Auch bei anderen, völlig alltäglichen Abläufen, ziehen wir Fachleute, also Spezialisten wie z.b. Ärzte hinzu.
Wer bringt schon den Nachwuchs zu seinem Kegelbruder, damit dieser den Blinddarm operiert, nur weil er Metzger ist und was von Aufschneiden versteht? Keiner. Anders ist es in der Erstellung einer Internetseite; dazu fühlen sich alle berufen, die mit einem Editor bewaffnet gegen jegliche Programmierkenntnisse zu Felde ziehen.
Wie sonst wohl würde von der “Vermüllung des Internets” in einem Artikel der Zeitung NET-BUSINESS die Rede sein?
Wie kommt’s
Es ist in der Tat schwer zu verstehen, wenn einige Unternehmen auf ihren Briefköpfen, Visitenkarten, Flyern, Prospekten und in Katalogen mit Hochglanz aufwarten, diesen Anspruch jedoch beim Erscheinungsbild ihrer Internet-Präsenz offenbar unbeachtet lassen.
Würde ein Offsetter das Ergebnis manch’ einer Internetseite als Vorlage für den nächsten Prospekt in Betracht ziehen, dürfte er wohl kaum mit Folgeaufträgen rechnen. Woher kommt also diese merkwürdige, schon fast an Gleichgültigkeit grenzende Haltung, gegenüber der eigenen Firmendarstellung im Internet.
Es klingt schon ein wenig amüsant, aber einige gesichtete Logos scheinen mit einer Nagelschere ausgeschnitten oder nachbehandelt worden zu sein. Als Visitenkarte würde es keiner wagen, diese einem Geschäftspartner zu überreichen. Im Internet ist dies Gang und Gäbe.
Selbst ist der Mann
Beim Budgetieren der firmeneigenen Homepage scheinen alle Geldquellen versiegt zu sein und nicht selten bastelt der Chef höchstpersönlich etwas Nettes zusammen. Diese Zeitgenossen wehren sich mit Vehemenz gegen professionellen Support und betrachten ihr Werk als tabu.
So entdeckt man auf den Internetseiten eines großen Autohauses die Abbildung eines PKW (als Neuwagenangebot), dessen Hinterreifen nicht zu sehen ist. Der war auf der anderen Seite der Zeitung und wurde beim einscannen ignoriert. Bravo. Der Versuch, einem lahmen Gaul das Seilspringen beizubringen ist sinnvoller, als den Freizeitbastlern das neu gewonnene Hobby auszureden.
Broken Links and broken hearts
Viele Seiten schmücken sich nur mit dem Bildhalter, weil der Link gebrochen ist, ein neues Bild mit einem anderem Namen versehen wurde, oder, oder, oder. Verwunderlich ist nur, dass diese Seiten nicht betrachtet werden, bevor man sie ins Netz stellt.
So meldet ein Server mit der Fehlerseite 404 an, dass die eigentlich gewünschte Seite nicht aufrufbar ist. Fehler in der Rechtschreibung sind kaum zu entschuldigen, zumal die erwerbbaren Textsoftwares über recht ausgeklügelte Korrekturfilter verfügen und man diese nur benutzen muss.
Würde das Erscheinen einer “404″ mit nur einem Cent bezahlt werden, besäßen manche Seitenbesitzer plötzlich ein ungeahnt hohes Zubrot.
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Auch wenn ich nicht viel von Kommentare halte, die einfach nur Ausschnitte eines anderen Blogposts sind, finde ich deinen Artikel super und würde ihn ohne wenn und aber unterschreiben. Das Internet wird von vielen Firmen (vorallem im Mittelstand) als eher unwichtig abgetan… also begnügt man sich mit selbst gebastelten Internetseiten. Validität? Scheissegal! Typograwas?
Naja, ich habe auf jeden Fall nicht die Hoffnung das sich das in den nächsten 5 Jahren ändert.
Mal abwarten.
Pixelpetrus
Hallo Jan,
fügen wir dem Ganzen doch einfach einen Link bei und der User darf lesen und kommentieren, wie und wo er möchte:
http://www.pixelpetrus.de/webdesigner-stundenlohn/