Wie man sich doch irren kann. Täglich wird einem bewusst oder auch bewusst gemacht, wie dusselig es ist, sich etwas zu merken. „Schreib’ es dir hinter die Ohren…“ wurde man noch zu Jugendzeiten ermahnt. Doch nichts davon hat sich dauerhaft beweisen können. Pfropfte man sich noch zu Schulzeiten die Birne mit Wissen zu und addierte den Planeten Pluto zu unserem Sonnensystem, wurde aus diesem nun ein mickriger Zwergplanet, der nicht mehr zu unseren allgemeinen Planten gehört.
Irgendwann habe ich mir ohnehin schon abgewöhnt, mich mit temporärem Wissen zu befassen. Nichts ist beständig, nichts von Dauer und Archimedes bzw. Heraklit drückten es mit den Worten „panta rhei“ aus. Sich eine Umleitung zu merken ist für mich albern. Irgendwann ist es keine mehr und man trägt diesen Ballast mit sich herum, wozu bloß. Auch Fahrpläne ändern sich permanent, Preise und Kurse, Trends und andere (unverzichtbare) Erscheinungen von monumentaler Bedeutung.
Auch ein Titel, so dachte ich jedenfalls, wäre eine einmalige Auszeichnung. Klar, manchmal müssen sich auch Nobelpreisträger einen Titel teilen. Aber jeder davon ist und bleibt einer dieser Nobelpreisträger. Das ist ein Titel. Weltmeister, Europameister und sonstige Wettbewerbsmeister bekommen einen entsprechenden Titel. Daran ist nichts Aussätziges. Als jedoch der Moderator der Sendung „The next Uri Geller“ verkündete, dass es eine Fortsetzung geben wird, verschlug es mir für einen kurzen Moment die Sprache.
Demnach begrüßen sich künftig mehrere Personen mit den Worten: „… the next Uri Geller…“, „… angenehm, ebenso…“, oder wie?! Und überhaupt, was ist das für ein Titel: The next Uri Geller?! Wie und wo trägt man ihn und wo wird er dokumentiert, außer in der Programmzeitschrift? Wird man sich an diesen Menschen in – sagen wir mal – 500 Jahren zu erinnern wissen? Ich habe da so meine Bedenken. Diese „Titelvergabe“ hat aus meiner persönlichen Perspektive betrachtet etwas geradezu Lächerliches an sich und ich meine auch, die Aspiranten schon deutlich grinsen gesehen zu haben, so es um diesen „Titel“ ging.
Fußball-Weltmeister oder auch Formel-1-Weltmeister, das hat was, das sagt was aus und da steckt was hinter. Und Siegfried und Roy? Haben die auch schon einen Titel bekommen? Es sind doch auch Illusionisten der ersten Garde. Aber keine Mentalisten? Na so was. Verarsche ist und bleibt doch Verarsche, nenne es einer, wie er will. Und Kollege Houdini? Der Meister aller Meister, was für einen Titel hatte der? Keinen? Wie blöd. Herr Copperfield evtl? Auch nicht? Jetzt wird’s aber eng. Nicht, dass man mich missversteht, aber ein Titel ist kein Künstlername, kein Pseudonym, kein Dings und kein Bums.
Und Karl Lagerfeld z.B. oder Wolfgang Joop. Was sind die denn? Meister der flinken Nadel? Das wäre doch ein schicker Titel. Ist es vielleicht eine Sache der Vererbung? Inge Meisel wurde auch ein Titel zuteil. „Mutter der Nation“. Schau an. Welch ein Gedränge an der Bluse, denn schließlich saugt eine ganze Nation am Inhalt. Und dann ging dieser Titel an Mutter Beimer über, klar doch. Mutter Beimer, da steckt ja die Vorlage schon im Titel des Titels. König/in der Herzen ist auch ganz drollig. Da handelt es sich allerdings um einen Wanderpokal.
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